„U1“ bei Vielfraß-Nachwuchs im Zoo Osnabrück

Kleiner Nachwuchs mit großen, haarigen Pfoten: Das Vielfraß-Jungtier im Zoo Osnabrück, das Mitte Februar geboren wurde, verlässt nun immer häufiger die geschützte Wurfhöhle und ist auch für Besucher zu sehen. Bei der ersten tierärztlichen Untersuchung wurde außerdem das Geschlecht ermittelt: ein Männchen.

Auf vier großen und behaarten Pfoten entdeckt er seine Umgebung: Der Vielfraß-Nachwuchs in der nordischen Tierwelt „Kajanaland“ im Zoo Osnabrück. „Die ersten Lebenswochen hatte das Jungtier zusammen mit Mutter Vilja in einer geschützten Wurfbox verbracht.

Nun kommt es immer häufiger raus und es ist toll zu sehen, wie sich das Kleine sein Zuhause genau anschaut“, freut sich Thorsten Vaupel, Tierpfleger und Revierleiter von „Kajanaland“. Mit etwas Glück können Besucher den Nachwuchs der marderartigen Raubtiere bei seinen Ausflügen beobachten. Noch ist dieser gut vom Rest seiner Familie zu unterscheiden: „Das Jungtier ist deutlich kleiner als seine älteren Artgenossen und auch das Fell ist noch etwas heller. Bei der Geburt sind Vielfraße fast komplett weiß, erst mit der Zeit färbt sich das Fell dunkelbraun bis schwarz“, erklärt Vaupel.

In der Anfangszeit wollte das Zoo-Team die junge Familie nicht stören, vor Kurzem stand aber der erste Besuch von Zootierarzt Thomas Scheibe an. Der Veterinär überprüfte den allgemeinen Gesundheitszustand des Jungtieres, impfte es gegen Staupe und ermittelte das Geschlecht, was bei Vielfraßen schwer zu erkennen ist: „Wir haben hier ein kleines, gesundes Männchen“, verkündete Scheibe. Bei der Untersuchung wurde das Junge außerdem „gechippt“: „Ähnlich wie bei Hunden und Katzen haben wir auch dem jungen Vielfraß einen kleinen Micro-Chip unter die Haut gesetzt. Dadurch können wir die einzelnen Tiere später eindeutig identifizieren“, erläutert der Tierarzt.

Bei der Untersuchung haben sich die Zoomitarbeiter auch das Gebiss des kleinen Männchens angeschaut: Noch säugt Mutter Vilja ihren Sprössling zwar regelmäßig, in den nächsten Wochen wird dieser sich aber auch an der ersten festen Nahrung wie Fleisch, Fisch, Banane oder Weintrauben probieren: „Vermutlich wird der Kleine erstmal ein wenig an dem Futter lutschen, denn bislang hat er noch nicht alle Zähne“, schmunzelt Tierpfleger Vaupel. „Das sah bei der ersten Untersuchung schon etwas lustig aus, denn das Jungtier hatte nur die zwei unteren Eckzähne.“ Inzwischen hat das kleine Raubtier bereits vier Zähne.

Nachdem sich zu Beginn ausschließlich Mutter Vilja um die Aufzucht des Jungen kümmerte, hat der Nachwuchs nun immer häufiger Kontakt zu Vater Loki und seinen beiden Geschwistern und wird zunehmend in die Familie integriert. Die zwei Jungtiere aus dem letzten Jahr verlassen den Zoo Osnabrück allerdings demnächst in eine andere zoologische Einrichtung. „Zuvor sollten sie aber noch die Jungenaufzucht miterleben und von ihren Eltern lernen“, erklärt Vaupel. Vielfraße sind nach rund einem Jahr ausgewachsen. Geschlechtsreif werden sie mit drei bis vier Jahren.

Für Vilja und Loki beginnt jetzt schon wieder die Paarungszeit: Zwischen April und Juli wird bei den Vielfraßen in der Regel der Nachwuchs gezeugt. Bedingt durch eine Keimruhe, bei der sich das befruchtete Ei zunächst nicht zu einem Embryo weiterentwickelt, beginnt die eigentliche Tragezeit bei den Raubtieren erst im November bis März. Dann kommen nach etwa 30 bis 40 Tagen ein bis vier Jungtiere zur Welt.

Besucher können mit etwas Glück und Geduld Zeuge von den ersten Erkundungstouren des jungen Vielfraßes sein. Samstags und sonntags um 15:45 Uhr stellen die Zoopädagogen die Vielfraßfamilie vor. An den bevorstehenden Feiertagen wie Christi Himmelfahrt oder Pfingsten und an den Wochenenden erfahren Besucher außerdem viele spannende Geschichten über weitere Tiere im Zoo Osnabrück: An verschiedenen Tiergehegen warten die Zoopädagogen und geben interessante Informationen rund um Zwergotter, Flachlandtapir und Co. Alle Programmpunkte und die genauen Zeiten gibt es an der Zookasse oder online unter www.zoo-osnabrueck.de.

Wissenswertes zu Vielfraßen (Gulo gulo)
Der rund 1 Meter lange und bis über 20 Kilogramm schwere Vielfraß ist ein außerordentlich kräftiges Tier, dem unter gewissen Umständen sogar ausgewachsene Elche zum Opfer fallen können. Auch wenn die Nahrung im Winter knapp ist, macht der Vielfraß keine Winterruhe, sondern läuft mit seinen breiten Tatzen täglich lange Strecken um Beute zu machen oder Aas zu finden. Zwischen Januar und April werden in einem Bau ein bis vier Jungtiere geboren, die bis zum Herbst bei der Mutter bleiben.

Foto: Zoo Osnabrück (Hanna Rickert)