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Der deutsche Philosoph Otfried Höffe spricht sich dafür aus, den Begriff der “sozialen Gerechtigkeit” aus der politischen Debatte zu entfernen. Der Begriff und die damit verbundene Vorstellung hätten das Land auf einen “gefährlichen” Weg geführt, sagte er der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. “Man sollte auf diesen Ausdruck lieber verzichten”, sagte er. Er sei aufgeladen mit christlichen Werten wie “Wohltätigkeit und Menschenliebe”, was den klassischen Gerechtigkeitsbegriff “über das Geschuldete hinaus” ausgeweitet habe., Höffe, der ein Standardwerk über “Politische Gerechtigkeit” geschrieben hat, sieht insbesondere in der Grundsicherung – dem früheren Bürgergeld – einen “Gerechtigkeitsverstoß”. Er bemängelt, dass Bezieher der staatlichen Leistung nicht durch verpflichtende Gemeinschaftsarbeit einen eigenen Beitrag zur Finanzierung des Systems leisteten. “Es müssen Steuern eingenommen werden, und zwar von denen, die ihr Einkommen noch selber erarbeiten. Dass die einen das machen und die anderen nicht, widerspricht dem Grundgedanken der Gerechtigkeit, alle Menschen gleich zu behandeln”, sagte er., Die verbreitete Forderung, dass starke Schultern mehr tragen müssten, hält Höffe für ungerecht und unklug. Wer schon heute durch Progressionssteuern höher “belastet” werde, solle nicht “noch mehr” beitragen müssen, sagte er. “Wenn die Reichen lieber ins Ausland wandern und dort ihre Steuern zahlen, ist das für das Gemeinwesen ein Eigentor”, sagte er., Im Blick auf die Rentendebatte warb Höffe für eine deutliche Schlechterstellung der Älteren. “Wenn jemand statt früher vielleicht 40 Jahre heute nur noch 30 Jahre arbeitet und dann 25 Jahre lang in Rente geht, dann ist es nicht ungerecht, ihm zu sagen: Du musst später in Rente gehen – und darfst auch nur noch das Maß an Rente beanspruchen, das Deine Kinder und Enkel bekommen werden.” Darüber, dass die “Rente mit 70” in den Plänen der Bundesregierung auf das Jahr 2090 verschoben werden soll, könne “man nur den Kopf schütteln”, sagte er. Die Lasten für die Jüngeren seien “unanständig und ungerecht”, und den Regierungen fehle die “Courage”, das zu sagen., Auch gegenüber Förderprogrammen für Frauen äußerte sich Höffe kritisch. Zum einen könnten sie, insbesondere im Hochschulbereich, zu einer Benachteiligung von Männern führen. “Ich halte das nicht für gerecht, denn was unsere Mütter und Großmütter erlitten haben, können wir nicht wiedergutmachen, indem unsere Töchter und Enkelinnen bevorzugt werden.” Zum anderen entstehe ein “Gerechtigkeitsproblem”, wenn Studenten ihr “Recht auf die beste Person” vorenthalten werde. Kritisch äußerte er sich auch über die Debatte über die Bundespräsidentenwahl: “Sich von vornherein auf eine Frau festzulegen, betrachte ich als eine Benachteiligung unserer Gesellschaft”, sagte er., Foto: Menschen auf der Straße (Archiv), via dts Nachrichtenagentur
Geschrieben von: Radio Osnabrück Redaktion
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