Politik

Simson-Erbe wehrt sich gegen Vereinnahmung durch AfD

today2 Juli 2026 3

Hintergrund
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Der Sprecher und Erbe der Unternehmerfamilie Simson, Dennis Baum, wehrt sich gegen die Vereinnahmung der Mopeds Simson durch die AfD vor den Wahlen in Ostdeutschland. “Wir empfinden jede Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Familiennamens”, sagte Baum dem Podcast “Im Osten” des “Tagesspiegels” (Donnerstag)., “Unser Ziel ist es, dass die AfD alle Plakate, T-Shirts und Werbemittel, mit denen sie unseren Namen missbraucht, vernichten muss”, sagte Baum. Er habe darüber bereits mit Gesa gesprochen, der Nachfolgeorganisation der Treuhandanstalt, die die Simson-Werke in Suhl nach der Wende abgewickelt hat und weiterhin die Namensrechte von Simson hält., “Wir haben nichts gegen die allgemeine Verwendung der Marke Simson und des Mopeds Schwalbe, es war ja auch ein Produkt der DDR”, sagte Baum. Es sei aber eine Grenze überschritten, wenn mit dem Namen Simson eine Politik der Ausgrenzung verbunden werde. “Das verhöhnt unsere Familiengeschichte.”, Baum, der als Investmentbanker in New York lebt, ist Nachfahre und Sprecher der Simson-Familie. Seinen Vorfahren gehörte einst das Simson-Werk in Suhl, in dem Waffen und Autos hergestellt wurden, bevor die jüdische Familie von den Nazis in einem Schauprozess enteignet und als Juden aus Deutschland vertrieben wurde. In der DDR wurden in der Fabrik Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe gebaut, um die es in Ostdeutschland mittlerweile einen regelrechten Kult gibt. Immer häufiger nutzt auch die AfD die alten Mopeds zur Betonung einer neuen Ost-Identität., Baum sieht in der AfD, die am Wochenende ihren von Protesten begleiteten Bundesparteitag in Erfurt abhalten will, und in dem Thüringer Parteichef Björn Höcke eine Gefahr. “Höcke und seine Partei sind antisemitisch; er macht die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten verächtlich”, sagte er. “Die AfD diskriminiert Menschengruppen, die migrantisch sind, oder wegen ihrer sexuellen Orientierung. Höcke ist ein Freund von Diktatoren aus aller Welt, auch solchen, die Europa gerade attackieren”, so Baum., Er kündigte an, in den nächsten Tagen nach Deutschland zu reisen, um insbesondere junge Menschen aufzuklären. So werde er am Wochenende in Erfurt am Rande des AfD-Parteitags auf einem Demokratiefestival sprechen und auch zu den alten Produktionsstätten nach Suhl fahren. “Ich möchte, dass Menschen verstehen, was unserer Familie passiert ist, damit wir nicht wieder in eine solche Lage geraten. Der Antisemitismus wächst, die AfD ist gefährlich”, sagte Baum. Man dürfe die rechtsextreme Agenda der Partei und ihre Rhetorik des Hasses nicht tolerieren., Baum zufolge gab es nach dem Mauerfall einen Versuch, zumindest die Jagd- und Sportfabrik in Suhl zu übernehmen, in der Jagd- und Schusswaffen produziert wurden. “Die Treuhand hat uns abgeblockt. 1994 wurde uns gesagt, dass eine Firma aus Amsterdam ein besseres Angebot vorgelegt hätte. Ein Jahr später kam heraus, dass die nichts bezahlt hatten. Die Fabrik ging pleite und musste schließen”, erklärte Baum., 20 Jahre später habe er Vertreter der früheren Treuhand gefragt, warum sie die Simson-Familie damals abgelehnt hätten. Sie hätten erzählt, unter welchem immensen Druck sie gestanden hätten, das Volkseigentum innerhalb von fünf Jahren zu privatisieren. Für gründliche Recherchen hätten sie keine Zeit gehabt. Inzwischen stehen die Fabrikhallen in Suhl leer. “Die Werke geben ein trauriges Bild ab”, sagte der Simson-Erbe. “Ich fühle Trauer für all die Menschen, die ihren Job verloren haben.”, Foto: AfD-Logo (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Geschrieben von: Radio Osnabrück Redaktion

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